28. Wuerzburger Fruehjahrstagung (Vortragssaal), 5. April 2003 (Klick auf das Bild öffnet ein Rundumpanorma), Foto: Jost Jahn (Olympus IS-3000)
Würzburger Frühjahrstagung, 5. April 2003. Foto: Jost Jahn (Kodak PalmPix).
Die Würzburger Frühjahrstagung 2003
5. April 2003
Fast schon zur Tradition geworden, besuchte ich die
Würzburger Frühjahrstagung der VdS zusammen mit meinen beiden Freunden
Thomas Kessler und Wolfgang Mahlmann.
Leider hatte ich meine digitale Olympus E-100 vor der Reise aus Versehen "geschreddert". Daher habe ich einige PalmPix Bilder und
vor allen Dingen mit meiner guten alten analogen Olympus IS-3000 Bilder gemacht. Wie das Schicksal es will, war der verwendete 1600 ASA Film wohl etwas überlagert...
Würzburger Frühjahrstagung, 5. April 2003. Foto: Jost Jahn (Kodak PalmPix).
Am Freitag Abend, den 4. April 2003 ging es wie immer von Lüneburg via
Embsen
und Uelzen per Autobahn Richtung
Autobahn-Raststätte Kassel Ost, wo wir uns kurz stärkten,
um dann am Abend in Würzburg einzutreffen.
Das Hotel Residence wurde schnell erreicht,
war aber sanitär (zumindest im Zimmer 201) nicht ganz nach meinem Geschmack: Duschvorhänge bleiben chronisch am Duschenden kleben
und der schwarze Rand am WC-Einlauf krabbelt zwar nicht vertikal, sieht aber nicht schön aus..
Würzburger Frühjahrstagung, 5. April 2003. Foto: Jost Jahn (Kodak PalmPix).
Wie schon gewohnt, war es zum Eintreffzeitpunkt um 23 Uhr in Würzburg nicht mehr möglich warmes Essen in einem Restaurant in der Nähe
zu bekommen. Daher zogen wir drei zur zentralen McDonalds-Filiale und beobachten, analysierten und bewerteten das Balzverhalten der Jugend von Würzburg.
Peter Höbel, Würzburger Frühjahrstagung, 5. April 2003. Foto: Jost Jahn, Olympus IS-3000.
Dank der Schallschutzfenster konnte ich ruhig schlafen. Nach einem durchschnittlichen Frühstück liessen wir vereinbarungsgemäß
unsere Koffer bis zum Mittag im Hotel, was sich später als Fehler herausstellen sollte.
Diesesmal trafen wir pünktlich zum Vortragsbeginn um 9.30 Uhr ein. Das Programm versprach nicht allzuviel Highlights, aber man kommt
ja auch wegen der neuen und alten Kontakte nach Würzburg. Der Eintrittspreis betrug 9 Euro (für VdS-Mitglieder
7 Euro).
Peter Höbel (Erlangen) begrüßte als Organisator etwa 100 Teilnehmer aus Deutschland und den angrenzenden Ländern.
Vor der Mittagspause gab es vier Vorträge, jeweils im Doppelpack:
Christian Kuhn (Uttenreuth): Projekt Atlas - Die ultraleichte High Tech Montierung für unterwegs.
Kuhn stellte sein (auf einem
SuW-Artikel im November 2000 basiertes)
Projekt einer ultraleichten High-Tech Montierung (Atlas M100) für unterwegs vor (etwa 50 kg Last).
Dazu benutzt er zusammen mit Freunden harmonic drives
aus ausgeschlachteten Industrierobotern. Diese Getriebe können schwere Lasten sehr
genau und schnell positionieren (wir kennen ja alle diese Roboter-Filme aus der Industrie), also ideal für astronomische Zwecke.
Das Gegengewicht wird dabei durch Federzüge ersetzt. Diese Montierungen haben eine höhere Steifigkeit und bessere Dämpfung als
die üblichen astronomischen Montierungen. Nachgeführt wird mit Synchronmotoren computergestuert mit
Mel Bartels Steuerung.
Auch eine Montierung für Lasten bis zu mehreren 100 kg
(Godzilla) wurde
als Planung vorgestellt. Alle Montierungen sind nicht kaufbar und erfordern einen Materialaufwand von ca. 5000 Euro und naturgemäß
einen kleinen Maschinenpark. Kuhn brachte die Montierung zum Anschauen mit.
Prof. Ernst Schöberl (Schweinfurt): The Flying Dobson, ein ultraleichter Dobson.
Schöberl berichtet in seinem sehr theoretischen Vortrag mit vielen Zahlen
aber dennoch interessant über den Bau eines sehr leichten Dobsons aus CFK (Carbon-Faser-Kunststoff).
Als Chemiker und Materialkundler benutzte er das aus dem Leichtflugzeugbau bekannte Material um sich einen sehr steifen und leichten
Dobson zusammenzubauen. Sein 16 Zoll Dobson hat 25 kg Gewicht, davon 15 kg Spiegel. Aus Holz wäre der Dobson
md. 75 kg schwer. Der Dobson konnte nach dem Vortrag angeschaut werden.
Schöberl gab Materialproben des CFK in die Menge.
Der Stoff macht einen sehr leichten Eindruck und man traut ihm die Festigkeit gar nicht zu. Schöberl gab auch ein paar Bearbeitungstipps
(nur Trennscheibe, kein Bohren und Fräsen). Er regte an, zumindest die Stangen eines Dobsons aus CFK zu fertigen, da man hier schon
etliches an Gewicht sparen kann.
In der nun folgenden Pause gab es ausreichend Gelegenheit die beiden obigen Projekte live anzuschauen und mit den Referenten zu diskutieren.
Dr. Eberhard Bredner (Ahlen): Tercidina mon amour.
Bredner zeigte seinen mir schon von der
BoHeTa 2002 bekannten
Vortrag erneut in seiner launischen und humorvollen Art. Es ging um die Beobachtung der Sternbedeckung von (43) Tauri durch den Kleinplaneten (345) Tercidina am 17. September 2002.
Bredner warb für Beobachtungen, die auf Grund der seit einige Jahren deutlich präziseren Vorhersagen sicher und erfolgreich durchgeführt werden können
und im vorgetragenen Fall von Tercidina unter europaweiter Beteiligung ein schönes Profil des Kleinplaneten ergab.
Meissen berichtete über mathematische Zusammenhänge zwischen Mond und Sonne, sowie deren
Auf- und Untergänge unter Verwendung von Excel und selbstgeschriebenen VBA-Makros. Dazu verwendete der Referent allerdings
die üblichen ellenlangen Reihenentwicklungen anstelle von N-Body-Modellen. Im Zuge von immer leistungsfähigeren Rechnern
ufert das natürlich in Zahlenspielen aus, da das Modell (Reihenentwicklung) als Wirklichkeit genommen wird.
Der Vortrag war leider viel zu detailreich und
ausgedehnt, als das noch jemand zuhören konnte. Daher verließen viele Teilnehmer den Saal schon vorzeitig zur Mittagspause.
Weniger wäre hier deutlich mehr gewesen.
e-mail: Keine e-mail
WWW: Keine Homepage Vortrag mit PowerPoint
Weiterführende Links:
Keine
Würzburger Frühjahrstagung, 5. April 2003. Foto: Jost Jahn (Kodak PalmPix).
Recht erschöpft von den vielen Worten von deutlich überzogenen Vorträgen zerstreuten sich die Menge der Teilnehmer wieder
in verschiedene Gaststätten. Mit dem anwesenden VdS-Vorstand und einigen weiteren Teilnehmern gelangte ich in eine mir nicht mehr zuzordnende Gaststätte,
die aber urgemütlich und mit schmackhaftem Mittagessen versehen war. Angeblich der Gründungsort der VdS-Fachgruppe CCD-Technik.
Wir drei zogen nun gut gesättigt kurz zum Hotel, um unsere Sachen ins Auto zu verfrachten. Dort eröffnete man uns, das wegen Hotelüberfüllung unsere Sachen
schon vom Hotelpersonal gepackt auf einem Zimmer bereit lägen und wir diese nun doch schleunigst zu entfernen hätten. Ob dieses nicht verlangten
Packservice waren wir drei doch etwas erstaunt. Nun denn, es gibt in Zukunft auch noch andere Hotels in Würzburg...
Nach dem Mittag begrüßte nachträglich O. Guthier (Heppenheim) die Tagungsteilnehmer im Namen der VdS.
Es folgten bis zum Abend noch sechs Vorträge im Doppelpack:
W. Steinicke (Umkirch): Die neue VdS-Fachgruppe Geschichte der Astronomie.
Diesen Vortrag bekam ich nach der Mittagspause nur noch partiell mit.
Steinicke berichtete offenbar von der Idee und der Gründung dieser
VdS-Fachgruppe.
Er stellte einige Beispiele der Geschichte der Astronomie vor und Möglichkeiten für den Amateur z.B. im Heimatarchiv
sich mit der Geschichte der Astronomie zu beschäftigen.
Dr. Bertold Stober (Glan-Münchweiler): Mein Weg zur Spektroskopie.
Der Vortrag begann etwas weitspännig von Olbers Lichtparadoxon über die ersten
Versuche des Referenten in der Astronomie. Zum Schluß des Vortrages schloß sich aber der Bogen und das am Anfang
vorgetragene Understatement des Referenten fiel mit dem Zeigen seiner Ausrüstung (von der hochmodernen Montierung
bis zur volleingerichteten CNC-Werkstatt).
Stober zeigte die Vor- und Nachteile von Gitter- und Prismenspektrografen und verleitete vielleicht den einen oder anderen
dazu, auch einmal den Angeldraht-Spektrografen auszuprobieren. Wir sahen auch erste Ergebnisse und veränderliche Spektren.
Rundherum eine schöne Anregung sich auch einmal in der Spektroskopie
zu versuchen.
Nach diesem langen Vortrag konnte man sich wieder in einer sehr kurzen Pause dem einen oder anderen Tagungsbesucher widmen.
Erich Meyer (Linz): Die erfolgreiche Suche nach dem verschollenen TNO 2001YH140.
Erich Meyer vom Kleinplanetenteam aus Linz (Österreich) stellte wieder einmal
ein sehr spezielles Kleinplanetenthema vor. Die Kleinplaneten sind ja eine Spezialität des WFT - resultierend aus dem
Spezialgebiet des verstorbenen Gründers des WFT, Friedrich Frevert.
In diesem Falle ging es um einen 21.5 Größenklassen hellen Asteroiden, der nach den ersten Beobachtungen
auf einer extremen Umlaufbahn von mehreren Tausend Jahren sein sollte. Durch eine Zusammenarbeit mit dem
DANEOPS-Team konnte die wahre Position durch mehrere Aufnahmen ein Jahr danach astrometriert
werden. Eine erneuerte Bahnbestimmung ergab dann einen ganz normalen Kuiper-Belt Kleinplaneten.
Stefan Schuchardt (Augsburg): Visuelle Beobachtung planetarischer Nebel.
Schuchardt übernahm den Teil "visuelle Astronomie" auf diesem Treffen.
Er berichtete mittels gezeichneter Folien ausgiebig über seine Art die planetarischen Nebel zu beobachten und
zu zeichnen. Im Zeitalter der CCD-Astronomie ist das eine fast aussterbende Gattung von Amateurastronomen, die ich insgeheim
bewundere. Ich habe selber über 5 Jahre lang jeden sichtbaren Kometen gezeichnet und weiß daher diese Arbeit
(aber auch die Ergebnisse) zu schätzen.
e-mail: Keine e-mail
WWW: Keine Homepage Vortrag mit Overhead
Weiterführende Links: VdS-Fachgruppe DeepSky
Da alle Zeiten weit überzogen waren, gab es auch nur eine kurzen Lüftungspause.
Alfons Gabel
berichtete zwischendurch spontan über eine seltene Sternbedeckung
des Sternes GSC 1396.214 vom 2. bis zum 8. April durch den sich in der Oppositionswendung befindlichen Jupiter.
Michael Jäger (Weißenkirchen): Die hellen Kometen des 21. Jahrhunderts.
Der bekannte Kometenbeobachter, -entdecker und -jäger zeigte in seinem
Vortrag die Bilder der vergangenen hellen Kometen der ersten Jahre dieses Jahrhunderts.
Im einzelnen handelte es sich um zwei LINEAR-Kometen 2000 WM1 und 2001 A2, den periodischen Kometen Machholz 1,
den Kometen Kudo-Fujikawa 2002 X5, den Kometen Ikeya-Zhang 2002 C1 und den Sungrazer 2002 NEAT V1.
Prof. Werner Schneider (Erlangen): Der Regenbogen.
Das Ende des Tages markierte ein Vortrag von Schneider
aus dem Institut Didaktik der Physik in Erlangen über den Regenbogen
Dieser doch nur astronomienahe Vortrag wurde leider recht theoriehaltig vorgetragen.
Der Referent wies dann noch auf einige Java-Applikationen zur Simulation hin, doch waren die Zuhörer nach diesen
vielen Vorträgen mit den recht kurzen Pause doch schon weniger aufnahmefähig. Daher verliessen auch hier schon etliche
Teilnehmer die Tagung während der Referent noch sprach.
Fazit: PowerPoint-Vorträge setzen sich immer mehr durch, obwohl gute Fotos in einem guten Diaprojektor besser aussehen.
Der Overheadprojektor ist nicht tauglich gewesen, da offenbar die Putzfrau versucht hatte, die Glasflächen mit Scheuerpulver
zu reinigen. Die Referenten sollten sich deutlich mehr an ihre Vortragslänge halten und nicht derart ausschweifen, das man kaum
noch (Mittags)pause hat, da die Diskussionen in den Pausen zur Tagung gehören. Förderlich wäre es vielleicht eine CD-ROM
beim oder nach dem Meeting zum Selbstkostenpreis anzubieten, da die meisten Vorträge sowieso als Powerpoint-Vortrag
vorliegen. Das würde evtl. auch zu einer Straffung der Vorträge führen, da alle Teilnehmer Genaueres jederzeit auf der
CD-ROM nachlesen könnten.
Die nächste Würzburger Frühjahrstagung soll wohl am 24. April 2004 stattfinden.
Die abendlichen Treffen vor und nach der Tagung haben wir nicht besucht. Wieder via Kassel-Ost gelangten wir alle drei noch
kurz vor Mitternacht wohlbehütet nach Hause.
28. Wuerzburger Fruehjahrstagung (Eingangshalle), 5. April 2003 (Klick auf das Bild öffnet ein Rundumpanorma), Foto: Jost Jahn (Olympus IS-3000)
Eindrücke von der Tagung:
Die Menge um den Dobson, Würzburger Frühjahrstagung, 5. April 2003. Foto: Jost Jahn, Olympus IS-3000.
Christian Kuhn, Ernst Schöberl und Peter Höbel mit Dobson, Würzburger Frühjahrstagung, 5. April 2003. Foto: Jost Jahn, Olympus IS-3000.
Blick in den Vortragsraum, Würzburger Frühjahrstagung, 5. April 2003. Foto: Jost Jahn, Olympus IS-3000.
Zum Mittagessen in die schöne Würzburger Innenstadt, Würzburger Frühjahrstagung, 5. April 2003. Foto: Jost Jahn, Olympus IS-3000.
Blick in den Vortragsraum, Würzburger Frühjahrstagung, 5. April 2003. Foto: Jost Jahn, Olympus IS-3000.