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Wettersonden LiveMap

Eine eigene Empfangsstation kaufen, bauen und sicher betreiben

Empfohlener Einstieg

Mit einem SDR und einer 403-MHz-Antenne beginnen

Eine alltagstaugliche Station besteht aus einem frequenzstabilen USB-Funkempfänger, einer senkrechten Außenantenne für das Wettersondenband 400 bis 406 MHz und einem sparsamen Linux-Rechner. Für den ersten Aufbau empfiehlt sich ein Nooelec NESDR SMArt v5 mit TCXO an einem Raspberry Pi 4 oder vorhandenen Mini-PC. Als Software übernimmt radiosonde_auto_rx Suche, Dekodierung, Protokollierung und auf Wunsch die Weitergabe an SondeHub.

Aktueller Stand der LiveMap: Die Windows-App liest den lokalen radiosonde_auto_rx-Datenstrom noch nicht direkt ein. wettersonde.net bleibt die zentrale Quelle. Eine eigene Station ist trotzdem nützlich, weil sie unabhängigen lokalen Empfang ermöglicht und später Empfänger, Signalstärke, Frequenz und Paketzeit ergänzen kann.

Einkaufsliste und Größenordnung

Die Beträge sind grobe Planungswerte mit Stand August 2026, keine Händlerangebote. Vor der Bestellung Anschlüsse, Lieferumfang und aktuelle Treiberunterstützung prüfen.

BauteilEmpfehlungTypischer ZweckGrobe Kosten
RechnerRaspberry Pi 4, 2 bis 4 GB, Netzteil und 16-GB- oder größere SpeicherkarteDauerbetrieb von Docker und radiosonde_auto_rx70–110 Euro
Einfacher EmpfängerNooelec NESDR SMArt v5 mit 0,5-ppm-TCXOEin gleichzeitig dekodierter Sondenkanal35–55 Euro
Mehrkanal-EmpfängerAirspy R2 oder Airspy MiniBreiterer Ausschnitt bis zum ganzen Sondenband; deutlich teurer120–250 Euro
AntenneSelbstbau-Groundplane oder kommerzielle 395–410-MHz-AntenneVertikaler Empfang im Band 400–406 MHz15–130 Euro
KoaxialkabelKurzes, verlustarmes 50-Ohm-Kabel; bei längeren Wegen LMR-240 oder LMR-400Verbindet Außenantenne und Empfänger20–100 Euro
Wetterschutz und SicherheitMastmaterial, Abdichtung, Zugentlastung, Überspannungsschutz und PotentialausgleichDauerhafter, sicherer Außenbetrieb30–150 Euro zuzüglich Facharbeit

Ein einfacher Innen- oder Dachbodenversuch ist oft für etwa 120 bis 200 Euro möglich. Eine wetterfeste Außenstation mit gutem Kabel und Schutz liegt eher zwischen 250 und 600 Euro. Ein Vorverstärker ist zunächst nicht nötig und kann bei starken örtlichen Signalen sogar übersteuern.

Welche Empfängerwahl ist sinnvoll?

Einfach und preiswert

Ein TCXO-stabiler RTL-SDR ist der beste Einstieg. Ein Empfänger kann mit dem üblichen rtl_fm-Verfahren jeweils einen Sondenkanal dekodieren. Für mehrere gleichzeitige Sonden sind weitere Sticks oder ein breitbandiger Empfänger nötig.

Mehrere Sonden gleichzeitig

Ein Airspy R2 kann das europäische Band 400 bis 406 MHz in einem breiten Ausschnitt überwachen. Das ist leistungsfähiger, benötigt aber mehr Rechenleistung, einen guten USB-Anschluss und sorgfältige Pegelplanung.

Was nicht blind kaufen?

Sehr billige Sticks ohne TCXO driften mit Temperatur. Der frühere RTL-SDR Blog V4 wird seit Mai 2026 nicht mehr produziert; Nachfolger können angepasste Treiber verlangen. Vor dem Kauf deshalb die aktuelle Unterstützung durch radiosonde_auto_rx prüfen.

Einfache 403-MHz-Groundplane selbst bauen

Für die Bandmitte 403 MHz beträgt eine freie Viertelwellenlänge rund 18,6 cm. Ein praxistauglicher Startwert sind ein senkrechter Strahler und vier Radiale aus stabilem Kupfer- oder Messingdraht mit jeweils ungefähr 18 cm Länge.

  1. Eine passende 50-Ohm-Koaxbuchse auf einer kleinen wetterfesten Trägerplatte befestigen.
  2. Den etwa 18 cm langen senkrechten Strahler mit dem Innenleiter verbinden.
  3. Vier etwa 18 cm lange Radiale gleichmäßig mit dem Außenleiter verbinden.
  4. Die Radiale 30 bis 45 Grad nach unten neigen. Das verbessert die Annäherung an 50 Ohm und lässt Wasser ablaufen.
  5. Alle Löt- und Steckstellen mechanisch entlasten und mit selbstverschweißendem Band oder geeignetem Gehäuse gegen Wasser abdichten.

Die Maße sind bewusst robuste Anfangswerte. Für die letzte Anpassung kann ein Antennenanalysator oder NanoVNA verwendet werden. Empfang ist auch mit nicht perfekt abgestimmter Antenne möglich; freie Sicht und geringe Kabelverluste sind meist wichtiger als eine Nachkommastelle bei der Drahtlänge.

Montageort, Kabel und Blitzschutz

  • Die Antenne senkrecht und möglichst hoch mit freiem Horizont montieren; Dachboden geht zum Test, ein freier Außenstandort reicht weiter.
  • Abstand zu Photovoltaik-Wechselrichtern, LED-Netzteilen, USB-3-Geräten, Routern und Schaltnetzteilen halten. Diese können das 400-MHz-Band stören.
  • Das Koaxialkabel so kurz wie möglich halten. Nach der Mehrkanal-Anleitung von Project Horus ist LMR-240 für Wege unter etwa 20 m und LMR-400 für längere Wege eine sinnvolle Größenordnung.
  • Außenstecker mit Tropfschleife, Zugentlastung und UV-beständiger Abdichtung versehen. Auf Amrum oder an anderen Küsten korrosionsbeständige Schrauben und regelmäßige Sichtkontrollen vorsehen.
  • Einen Raspberry Pi nicht ungeschützt am Mast betreiben. Besser innen nahe der Kabeleinführung oder in einem belüfteten, wetterfesten Gehäuse montieren und nach Möglichkeit Ethernet statt WLAN verwenden.

Sicherheitsgrenze: Eine Dach- oder Mastantenne kann Blitz-, Brand- und Absturzgefahr verursachen. Erdung, Potentialausgleich, Überspannungsschutz, Gebäudeabstand und Befestigung müssen örtlich beurteilt werden. Arbeiten am Dach und an der elektrischen Schutzanlage gehören zu einer qualifizierten Fachkraft.

Raspberry Pi vorbereiten

  1. Mit dem Raspberry Pi Imager Raspberry Pi OS Lite 64 Bit installieren. Im Imager Rechnername, Benutzer, starkes Kennwort, Zeitzone und SSH festlegen.
  2. Den Pi zunächst per Ethernet verbinden und System sowie Firmwarepakete aktualisieren.
  3. Docker installieren. Wer die Debian-Pakete verwendet, kann so beginnen:
sudo apt update
sudo apt full-upgrade -y
sudo apt install -y docker.io
sudo systemctl enable --now docker

Die jeweils aktuell unterstützte Installationsmethode steht in der offiziellen Docker-Anleitung für Debian. Anschließend den SDR-Stick anstecken. Falls Linux ihn als DVB-Fernsehempfänger bindet, den DVB-Treiber sperren und den Pi neu starten:

echo 'blacklist dvb_usb_rtl28xxu' | sudo tee /etc/modprobe.d/blacklist-dvb_usb_rtl28xxu.conf
sudo reboot

radiosonde_auto_rx konfigurieren

Das offizielle Beispiel herunterladen und mit den eigenen Koordinaten bearbeiten:

mkdir -p ~/radiosonde_auto_rx/log
curl -L -o ~/radiosonde_auto_rx/station.cfg \
  https://raw.githubusercontent.com/projecthorus/radiosonde_auto_rx/master/auto_rx/station.cfg.example
nano ~/radiosonde_auto_rx/station.cfg

Die Namen einzelner Optionen können sich zwischen Versionen ändern. Deshalb immer vom Beispiel der installierten Version ausgehen. Für einen RTL-SDR in Deutschland sind insbesondere diese Werte zu prüfen:

[sdr]
sdr_type = RTLSDR
sdr_quantity = 1

[search_params]
min_freq = 400.05
max_freq = 406.0

[location]
station_lat = 54.65205
station_lon = 8.35190
station_alt = 13

[habitat]
uploader_callsign = NEBEL-RX
uploader_antenna = 403 MHz Groundplane
upload_listener_position = False

[sondehub]
sondehub_enabled = True

[web]
web_port = 5000
web_control = False

Koordinaten und Höhe müssen auf den tatsächlichen Antennenstandort geändert werden. Wer seinen exakten Empfangsort nicht veröffentlichen möchte, lässt upload_listener_position ausgeschaltet oder verwendet nur die von der jeweiligen Plattform ausdrücklich angebotene Genauigkeitsbegrenzung. Ein frei gewählter Stationsname ist kein Amateurfunkrufzeichen.

Docker-Container starten

sudo docker run -d \
  --name radiosonde_auto_rx \
  --restart=always \
  --device=/dev/bus/usb \
  -v ~/radiosonde_auto_rx/station.cfg:/opt/auto_rx/station.cfg:ro \
  -v ~/radiosonde_auto_rx/log:/opt/auto_rx/log \
  -p 5000:5000 \
  ghcr.io/projecthorus/radiosonde_auto_rx:latest

Danach ist die Oberfläche im eigenen Netz beispielsweise unter http://sonde-nebel.local:5000 oder über die IP-Adresse des Pi erreichbar. Der Hostname hängt von der Einrichtung ab.

sudo docker ps
sudo docker logs --tail 100 radiosonde_auto_rx
sudo docker restart radiosonde_auto_rx

Nicht ins offene Internet stellen: Port 5000 nur im vertrauenswürdigen Heimnetz verwenden. Für Fernzugriff ein gepflegtes VPN nutzen; keine einfache Router-Portfreigabe einrichten. web_control bleibt für eine reine Anzeige ausgeschaltet.

Erster Empfang und Fehlersuche

  1. In der Weboberfläche prüfen, ob der SDR erkannt wurde und das Spektrum im Bereich 400 bis 406 MHz sichtbar ist.
  2. Während eines bekannten Starts auf schmale, driftende Signale achten. Startzeiten und Flugbahnen der LiveMap helfen bei der Plausibilitätsprüfung.
  3. Bei keinem Empfang zunächst mit kurzem Kabel und einfacher Antenne testen. Danach nacheinander Standort, Stecker, Kabeldämpfung und Störquellen prüfen.
  4. Erst nach einem stabilen Grundaufbau über einen bandbegrenzten Vorverstärker nachdenken. Er gehört nahe an die Antenne, braucht passende Speisung und darf den Empfänger nicht übersteuern.
  5. Temperatur, freien Speicher, Containerstatus und Logdateien regelmäßig kontrollieren. Nach Softwareaktualisierungen nicht blind die Konfiguration überschreiben.

Ein empfangenes Signal beweist noch keine korrekte Position. Für die Qualitätskontrolle Sondenkennung, Zeit, Höhe und Bewegungsrichtung mit einer unabhängigen Darstellung vergleichen.

Recht, Upload und Datenschutz

Die Station ist als reiner Empfänger gedacht und sendet selbst kein Funksignal aus. Maßgeblich sind der aktuelle Frequenzplan der Bundesnetzagentur, die Bedingungen der verwendeten Software und die Regeln der gewählten Uploadziele. APRS-Sendefunktionen nicht aktivieren, sofern keine dafür erforderliche Amateurfunkberechtigung und kein zulässiger Betriebsweg bestehen.

Bei aktiviertem SondeHub-Upload werden empfangene Sondentelemetrie und je nach Einstellung Angaben zur Empfangsstation an den fremden Dienst übertragen. Vor der Aktivierung dessen Datenschutzhinweise und Lizenzbedingungen lesen. Stationskoordinaten können Rückschlüsse auf den Wohnort zulassen. Die Wettersonden-LiveMap nimmt gegenwärtig keinen direkten Upload von dieser lokalen Station entgegen.

Geplante Anbindung an die LiveMap

Eine spätere lokale Schnittstelle sollte den bestehenden Datenweg ergänzen, nicht ersetzen:

  • direkt empfangene Positionen mit Quelle und Empfangszeit kennzeichnen,
  • Empfängername, Frequenz, Signalstärke und letzte Paketzeit getrennt von berechneten Werten speichern,
  • Dubletten anhand Sondenkennung und UTC-Zeit mit dem zentralen Feed zusammenführen,
  • bei Ausfall von wettersonde.net klar zwischen lokal empfangenen und archivierten Punkten unterscheiden,
  • den lokalen Dienst ausschließlich über Loopback oder das Heimnetz ansprechen und keine Steuerfunktion ohne Zustimmung öffnen.

Bis diese Schnittstelle implementiert und getestet ist, darf aus einem laufenden radiosonde_auto_rx nicht geschlossen werden, dass die Daten automatisch in der LiveMap erscheinen.

Offizielle und technische Quellen

Fremdprodukte und Händler werden nur als technische Beispiele genannt. Es bestehen keine Affiliate-Links und keine Vergütung für diese Nennungen.